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Karin Hilpisch vom 02.06.2006
 
Tierfeindlichkeit im Fernsehen - und Gegenbeispiele

In Fernsehsendungen, deren Protagonisten ihre Tierfeindlichkeit bekanntermaßen offen zur Schau stellen, kann man nur >>durch Zufall<< immer wieder landen, denn >>freiwillig sieht sich das wohl niemand, der bei Verstand ist, an<<. (Helmut F. Kaplan: „Soll Johannes B. Kerner erschossen werden?“, fellbeisser.info)


Ungleich schwieriger liegt der Fall dagegen bei kulturellen Darbietungen und Erzeugnissen, die nichts Böses ahnen lassen. >>Man liest einen Artikel oder verfolgt eine Sendung über ein interessantes Thema und identifiziert sich dabei automatisch bis zu einem gewissen Grad mit den agierenden oder dargestellten Personen. Urplötzlich kommt irgendeine tierfeindliche Passage oder Szene und raubt einem jede Lust am Weiterlesen oder Weiterschauen.<< (ders. , a. a. O.: „Für Schwerhörige muss man schreien“) In Rede steht hier die Beschreibung, wie sich ein Frosch verhält, der in kochendes Wasser geworfen wird. >>Es sind solche beiläufigen, ‘harmlose‘ Bemerkungen, die zu den größten Hindernissen auf dem Weg zur Bildung eines allgemeinen Tierrechtsbewusstseins gehören: Die ungeheuerlichsten Grausamkeiten gegenüber Tieren werden mit der größtmöglichen Selbstverständlichkeit dargestellt, als ginge es um das Anstreichen einer Wand oder das Addieren von Zahlen. Damit werden spektakuläre Verbrechen zu banalen Vorkommnissen erklärt, was auf eine sukzessive Gehirnwäsche in Richtung Desensibilisierung hinausläuft.<< (ebd.)

Hier stellt sich die Frage: Welcher Wäsche kann ein Gehirn, welcher Desensibilisierung ein Bewusstsein noch unterzogen werden, das den Schlachthof integriert hat? Welches Verbrechen kann als spektakulärer, welche Grausamkeit als ungeheuerlichere überhaupt gedacht werden als eine, deren größtmögliche Selbstverständlichkeit darin schon gegeben ist, dass sie die ‘Alltagskultur‘ mitkonstituiert ?

Die >>obszöne Sachlichkeit<<, die >>systematische Banalisierung des Ungeheuerlichen<< (ebd.) im Tiermord ist Kultur eingeschrieben in allen ihren Sparten, auch und gerade dort, wo sie ihre Hände vermeintlich in Unschuld wäscht, weil diese zum Beispie,l in blütenweißen Manschetten, statt eines Schlachtermessers einen Taktstock halten. Überall ist es die Amalgamierung des >>Wahre(n), Gute(n) und Schreckliche(n)<< (1), die den Fortbestand des Verbrechens verbürgt. >>Jüngst sah ich eine Sendung über den Dirigenten Kurt Masur: (...) Überall auf der Welt das gleiche Bild: festlich gekleidete Musiker, festlich gekleidete Zuhörer, schöne Musik und feierliche Stimmung. Aufgabe der Tierrechtsbewegung ist es, dafür zu sorgen, daß es solch ungetrübten Kunstgenuß nicht mehr gibt. Es darf kein Tag mehr vergehen, an dem in den Medien nicht über die Massaker an Tieren berichtet wird. Und es darf vor allem kein Tag mehr vergehen, an dem nicht über Aktionen gegen diese Massaker berichtet wird.

Solange Terror, Folter, Mord und Totschlag an der Tagesordnung sind, darf es keine reine Freude an schöner Musik mehr geben.<< (1) (ders.: „Das Wahre, Gute und Schreckliche“, tierrechte-kaplan.org/ Im Blickfeld: Stellungnahmen) Festlich gekleidete, feierlich gestimmte Menschen, die sich nach – oder vor – gehobenem Kunstgenuss zu Tisch setzen und dort, als besonderen Gaumenkitzel, unter anderem vielleicht zu Tode gekochte Frösche, vielleicht aber auch ‘nur‘ ein Steak verzehren; populäre TV-Kochstudios, die die Zubereitung persönlich ausgewählter Schlachtopfer ‘auf höchstem Niveau‘ zelebrieren.

Allerdings: Wo und in welcher Fernsehsendung wird eigentlich nicht gegessen oder vom Essen gesprochen? Es gibt sie, aber man kann sich glücklich schätzen, zufällig eine erwischt zu haben. Denn was gibt es zu essen? Leichenteile – zumeist nicht zelebriert, sondern ganz unauffällig, en passant. „Willst du auch ein Hot Dog?“, fragt der Inspektor seinen Mitarbeiter. „Ich habe dir etwas Hühnerbrühe gebracht“, zeigt sich ein aufmerksamer junger Mann um eine grippal erkrankte Freundin besorgt. Man sitzt im Restaurant. „Haben Sie schon gewählt?“... Wer einmal damit angefangen hat, derlei Nebensächlichkeiten bewusst wahrzunehmen, dem macht Fernsehen (und Zeitunglesen) wirklich keinen Spaß mehr. Also abschalten? Eine Möglichkeit. Oder umschalten auf der Suche nach der vegetarischen Botschaft, die es, offen oder verdeckt, eben auch, und zwar in zunehmendem Maß, gibt. Wer gezielt danach Ausschau hält, wird immer wieder fündig.

Die Haushälterin serviert das Dinner; auf der Schürze steht: Meat is Murder. „Dann töten Sie wohl auch keine Pflanzen?“ wird eine Vegetarierin hämisch gefragt. Antwort: „Sie sind ja widerlich!“ In Big Brother lassen die Mitspieler ‘naturbelassene‘ Hühnerleichen zurückgehen, weil niemand sie rupfen mag. In der Kult-Comic-Serie „Die Simpsons“ schlägt sich die kleine Vegetarierin Lisa tapfer durch eine Fleischfresserwelt. In Jugendsendungen eröffnen Teenager ihren fassungslosen Eltern: „Ab sofort esse ich kein Fleisch mehr!“ Ein besonders schönes Beispiel dieser Art bot sich kürzlich sogar im Abendprogramm. Auf die Frage ihres Vaters, seit wann sie denn kein Fleisch mehr esse, antwortet eine Mädchen, etwa 14: „Seit ich erkannt habe, dass dafür Tiere getötet werden, die Augen und eine Seele haben.“ Darauf die Mutter: „Dann mach Dir doch ein paar Spiegeleier.“ Antwort: „Ich esse auch kein ungeborenes Leben.“ Die jüngeren Geschwister am Tisch schauen entgeistert drein...

Besonders interessant an diesem Beispiel ist, dass keine der üblichen Pseudodiskussionen stattfindet. Die Eltern versuchen gar nicht erst, ihre Sorge um das Wohl des Kindes, ihre Autorität geltend zu machen oder gar den moralischen Beweggrund der Tochter zu thematisieren, was es dieser erleichtert, nach dem Abschied vom Fleisch gleich den Schritt zum Veganen anzuzeigen. Eine andere Familie sitzt während eines Urlaubs in Schottland am Tisch. Es gibt „Haggis“, das schottische ‘Nationalgericht‘. Die Tochter des Hauses fragt, was das sei und erfährt: „Gefüllter Schafsmagen.“ Sie erhebt sich und wird gefragt, warum. Antwort: „Ich geh kotzen.“ Der kleine Bruder erklärt daraufhin, auch keinen Appetit mehr zu haben...Solche Szenen, mitunter zur besten Sendezeit, werden vom Millionen gesehen, vor allem von jenen, die sich keine Dokumentation über Fleischproduktion je anschauen würden, weil sie sich so was nicht ‘antun‘ können...

In anderen Unterhaltungssendungen gehen Beziehungen in die Brüche oder kommen gar nicht erst zustande, weil eine/r immer noch Fleisch frisst. Eben wie im wirklichen Leben. So, wie es mehr und mehr Realität wird. Wohl vertreten die genannten Quellen nicht unbedingt gehobenes Kulturgut, speisen aber gerade deshalb ein um ein Vielfaches größeres Publikum, als bei allen Stardirigenten der Welt jemals zusammenkommt. Und darauf kommt es an im Kampf um die Köpfe derer, die sie nicht selbständig gebrauchen können. Wir haben Verbündete auch in den Massenmedien. Augen auf!

Übrigens: Ein Kochstudio der anderen Art gibt es hier zu sehen: vegetarisches-kochstudio.de


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Karin Hilpisch für vegan-central | (c) 2005 vegan-central all rights reserved
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